Am 10. November 1483 wird Martin Luther in Eisleben geboren. Nach Kindheit und Schule beginnt er ein Jurastudium in Erfurt, das er 1505 abbricht nachdem er in ein schweres Gewitter gerät und gelobt in ein Kloster einzutreten, falls er überlebt. Sein Ordensgelübde legt er im Herbst 1506 ab und wird 1507 zum Prister geweiht. 1512 promoviert er zum Doktor der Theologie. Einen Tag vor Allerheiligen 1517, verfasst Luther am 31. Oktober einen Brief an den Erzbischof Albrecht von Mainz und legt seine 95 Thesen gegen den Ablasshandel bei.
Das war der Beginn der Reformation



Dieser Brief hatte eine gerichtliche Untersuchung zur Folge. Diese beginnt im Frühjahr 1518 in Rom. Luther muss sich wegen des Verdachts der Verbreitung von Irrlehren und der Auflehnung gegen die kirchliche Obrigkeit verantworten.
Sein Landesherr, der sächsische Kurfürst Friedrich der Weise, stellt sich jedoch schützend vor ihn. Am 15. Juni 1520 ergeht gegen Luther die Bannandrohung, die der Reformator öffentlich ins Feuer wirft. Er wird zu einem Verhör auf den Reichstag in Worms geladen. Als er gefragt wird, ob er seine Schriften widerruft, antwortet er nach einer Bedenkzeit:

"Solange mein Gewissen durch die Worte Gottes gefangen ist, kann und will ich nichts widerrufen, weil es unsicher ist und die Seligkeit bedroht, etwas gegen das Gewissen zu tun. Gott helfe mir, Amen." Zu seinem Schutz lässt ihn Friedrich der Weise anschließend auf die Wartburg entführen , wo er das Neue Testament übersetzt . Luther kehrt 1522 nach Wittenberg zurück, dort setzt er sich gegen radikale Gottesdienstreformen ein. Die Reformation breitet sich in den folgenden Jahren in den vielen deutschen Fürstentümern aus. 1525 heiratet Luther die ehemalige Nonne Katharina von Bora, mit der er sechs Kinder bekommt. Luther kritisiert nicht nur viele katholische Praktiken, sondern auch Strömungen innerhalb der protestantischen Bewegung. Mit Huldrych Zwingli setzt er sich beispielsweise über das Verständnis des Abendmahls auseinander. Landgraf Philipp von Hessen will zwischen Luther und Zwingli vermitteln und lädt 1529 die beiden Gegenspieler, aber auch andere Reformatoren zum Religionsgespräch nach Marburg ein. Sein Ziel ist es, ein Bündnis aller evangelischen Länder herzustellen. Bei der Abendmahls-Frage finden die Teilnehmer jedoch keine gemeinsame Position. Seine Glaubenslehre hält Luther in zahlreichen Schriften fest.
In der Nacht des 17./18. Februar 1546 stirbt Martin Luther in Eisleben.




Martin Luther wollte durch seine Schriften auf die Missstände in der katholischen Kirche hinweisen, unter Anderem dass viele Bischöfe ihr Amt dazu benutzten um Reichtümer anzuhäufen. Er wollte dass sich Kirche und Christen wieder mehr an den Schriften der Bibel orientieren. Es gelang ihm und anderen Reformatoren wie Huldrych Zwinglie jedoch nicht eine Reformation der bestehenden Kirche, sonder es entwickelte sich aus der Reformationsbewegung eine eigene Konfession, ein protestantischer Glaube mit neuen Grundlagen:
Gottes Gnade
Einem Sünder der einen Ablassbrief kaufte versprach die katholische Kirche, dass er sich vor dem Fegefeuer rettet und eine gute Tat vollbringt. Martin Luther vertrat aber die Ansicht, dass Gott kein strafender Gott ist, sondern dem Menschen mit Liebe begegnet. Luther war der Überzeugung das der Mensch allein durch den Glauben die Gnade Gottes erfährt.
Taten aus Liebe
Gute Taten, so war im Mittelalter die Auffassung, trugen dazu bei, Gott gnädig zu stimmen. Protestanten gehen aber davon aus, dass Spenden für Wohltätige Zwecke oder nachbarliche Hilfe keine Garantie sind, das Wohlwollen Gottes zu erreichen. Es ist nach Luthers Auffassung selbstverständlich anderen zu helfen, da der Mensch die durch Gott erfahrene Liebe an andere weitergibt.
Bibel statt Papst
In der Zeit in der Luther lebte glaubten viele Christen, was ein Pastor oder ein Papst verkündete. Die Möglichkeit für das einfache Volk in der Bibel zu lesen war nicht gegeben, zum einem war die Bibel zu teuer zum Anderen war sie nur in Latein geschrieben und das konnte die einfache Bevölkerung nicht lesen. Die katholische Kirche konnte also die Heilige Schrift so auslegen, wie sie es für richtig hielt.
Als Martin Luther Mönch war hat er die Bibel sehr genau gelesen und stellte fest, dass nicht in der Bibel steht, dass ein Papst das Oberhaupt der Kirche ist. Da für Luther allein die Bibel und Christus zählten lehnte er die Autorität des Papstes, seine kirchlichen Anweisungen und seine Gesetzte ab.
Bibel und Verständnis
Der Heilige Geist ermöglicht jedem getauften Christen die Bibel zu verstehen, aus dieser Überzeugung übersetzte er das Alte und neue Testament ins Deutsche und forderte, das jeder lesen und schreiben lernt.
Sakramente
Taufe, Abendmahl, Beichte, Firmung, Eheschließung, Krankensalbung, Priesterweihe das sind die sieben Sakramente (Handlungen, die nur ein geweihter Priester durchführen darf) die in der katholischen Kirche bekannt sind. Auch an diesem Punkt orientierte sich Luther an der Bibel, in der nur die Taufe und das Abendmahl als „heilige Handlung“ erwähnt werden. Für die evangelische Kirche gibt es nur zwei Sakramente, die Taufe und das Abendmahl.
Freiheit eines Christenmenschen
In einem kleinem Buch schrieb Luther über die Freiheit des Christenmenschen, das mit zwei widersprüchlichen Sätzen beginnt. „Ein Christ ist ein freier Mensch und niemandem untertan“, lautet der erste Satz, dann folgt: „Ein Christ ist ein Knecht und jedermann untertan“. In der Spannung dieser beiden Sätze entfaltet sich für Luther die persönliche Freiheit Er wollte damit die Menschen von selbst ernannten Vordenkern befreien und sie ermutigen, ihr Gewissen selbst anhand biblischer Texte zu schärfen. Es bedeutet aber auch, dass die eigene Freiheit stets auch die Freiheit anderer berührt und keinen Platz lässt für reinen Egoismus. So beendet Luther sein Buch mit dem Grundsatz: „Der Christ lebt nicht in sich selbst sondern in Christus und seinem Nächsten, in Christus durch den Glauben, in seinem Nächsten durch die Liebe.“
Ehe statt Zölibat
Durch den Gleichheits-Grundsatz des „Priestertums aller Gläubigen“ ist ein besonderer Lebenswandel für Geistliche nicht mehr notwendig: Pfarrer dürfen heiraten.
Deutschsprachiger Gottesdienst
Die Pfarrer, die sich zur evangelischen Lehre bekennen, halten die Gottesdienste nicht mehr auf Lateinischer, sondern in deutscher Sprache. Der Ablauf des Gottesdienstes ist unterschiedlich: Während Luther es weitgehend bei der alten Gottesdienstordnung belässt, fielen in Gebieten die Huldrych Zwingli reformierte, auch große Teile der Liturgie weg. Für Zwingli zählte ausschließlich, was in der Bibel steht. Viele liturgische Gesänge, aber auch christliche Bilder hielt er für unnötig.
Symbol oder Anwesenheit Christi?
Während des Abendmahls trinkt nicht mehr nur allein der Pfarrer aus dem Kelch, sondern jeder evangelische Christ. Nicht ganz einig sind sich die Protestanten allerdings, was Brot und Wein bedeuten. Für die Anhänger Luthers ist Christus durch die gesprochene Sakramentverheißung in Brot und Wein gegenwärtig. Die Anhänger Zwinglis sind dagegen der Auffassung, das Brot und Wein nur ein Symbol für den Leib und das Blut Christi sind.
Landgraf Philipp tendierte zu der Auffassung Zwinglis, eine Einigung in dieser Angelegenheit war ihm ein großes Anliegen, wie das Marburger Religionsgespräch zeigt.


Huldrych Zwingli Priester, Reformator
* 1. Januar 1484 bis
† 11. Oktober 1531
Die 95 Thesen Martin Luthers




Martin Luther