Freier Blick auf „alte“ Frohnhäuser Kirche

Ungewohnte Ansichten zeigt derzeit die Frohnhäuser Kirche. Wegen Sanierungsarbeiten ist das Dach teilweise abgedeckt – das ermöglicht erstmals Blicke auf die „alte“ Frohnhäuser Kirche, die im Laufe der Jahrhunderte ihr Gesicht wandelte. 300 000 Euro investieren Landeskirche und Gemeinde in die dringend notwendige Restaurierung.

Im Mittelpunkt der Arbeiten steht das Dach. „Es war in absolut schadhaftem Zustand“, erläutert Pfarrer Frank Kopania. Die Konstruktion sei teilweise auseinander gegangen, der Abstand zwischen Sparren war zu groß.

Die letzte Erneuerung des Dachs liege vermutlich weit mehr als hundert Jahre zurück, sagt Alwine Gillissen vom Marburger Architekturbüro Schmidt. Auch der Turm ist in schlechtem Zustand. Er wird nach dem Ende der Zimmerarbeiten neu verschiefert, ebenso die zur Straße gewandte Seite des Daches.

Nicht ganz so umfangreich ist die Sanierung der Rückseite. Die Mauern bekommen einen neuen Anstrich, im Bereich des Bodens wird ein vor Feuchtigkeit schützender Putz aufgebracht. Untersuchungen haben ergeben, dass für das Dach Balken aus dem Jahr 1274 verwendet wurden.

Zwar könnte das Holz auch von anderen Gebäuden stammen und erst später für die Kirche verwendet worden sein. Doch das damals an dieser Stelle schon ein Gotteshaus stand, ist sicher. Erstmals erwähnt wurde eine Kirche in Frohnhausen im Jahr 1108, zugleich das Jahr der Ersterwähnung des Dorfs. Gotteshaus und Ort feiern deshalb im nächsten Jahr den 900. „Geburtstag“.

„Die Grundmauern sind aber sicher älter als 900 Jahre“, sagt Pfarrer Kopania. Der aus dem 15. Jahrhundert stammende Turm hat im Lauf der Zeit auf die Mauern gedrückt.

Deshalb sind die Schäden an der Mauerkrone größer als gedacht. „Unter den Holzbalken, die das Dach tragen, ist teilweise gar keine Mauer“, sagt die Architektin. Es sei deshalb höchste Zeit für eine Sanierung gewesen.

Vielleicht dreischiffig Wie das Haus früher aussah, Vielleicht dreischiffig , darüber kann nur spekuliert werden. Denkbar ist, dass die Kirche zwei Stockwerke hatte – darauf weisen die Fenster hin, die auch vom Innenraum aus zu sehen sind und sich direkt unter der Decke befinden. „Der Chor wurde vermutlich später gebaut, und die Kirche könnte dreischiffig mit flach geneigten Seitendächern gewesen sein – aber das ist alles nur Spekulation“, sagt Alwine Gillissen. Durch das abgedeckte Dach sieht man die alte Außenmauer mit Fenstern.

Die Kirche ist zuletzt vor knapp 30 Jahren, von 1977 bis 1979, restauriertworden. „Damals ging es aber ausschließlich um den Innenraum“, sagt Kopania. Dort wird jetzt lediglich die Heizung erneuert. „Die alte Bodenheizung ist nicht ausreichend, außerdem wachsen uns die Energiekosten über den Kopf.“ Jetzt werden zusätzliche Heizkörper an den Bänken installiert.

Außerdem wird künftig nicht mehr die ganze Woche eine konstante Temperatur gehalten, sondern zu Gottesdiensten automatisch gewärmt – stündlich um ein Grad, um die Orgel nicht zu eschädigen.

Gesteuert wird das dann automatisch. „Die Kirche galt immer als kalt“, sagt Kopania. Geheizt wird weiterhin mit Strom, „Alternativen sind nicht realisierbar“. Im Zuge der Erneuerung der Dorfstraße, die derzeit läuft, wird die Kirche auch ans Wasser und Abwassernetz angeschlossen – bislang wurde Wasser von Nachbarn geholt.

Verstopfte Wasserabläufe werden frei gegraben. Bei den rdarbeiten rund um die Kirche müssen die Baggerfahrer vorsichtig zu Werke gehen, denn das Grundstück diente – wie früher üblich – als Friedhof. Knochenreste wurden bereits gefunden: „Das ist nicht überraschend“, sagt Architektin Gillissen.

65 Prozent der Gesamtkosten trägt die Landeskirche, den Rest zahlt die Kirchengemeinde. Die sei jetzt allerdings am Ende ihrer finanziellen Mittel, sagt Kopania. Ein Teil der Kosten wird über das Dorferneuerungsprogramm bezuschusst.

Die Gottesdienste finden derzeit im Dorfgemeinschaftshaus statt. Spätestens Heiligabend soll die Kirche wieder benutzt werden können: „Wir rechnen damit, dass die Arbeiten bis Ende November beendet sind.“

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Bild und Text: Mark Adel Frankenberger Zeitung